Inside

“Sprache, unabhängig von ihrer direkten Integration ins Werk, ist und bleibt im System Kunst wesentliches Werkzeug. [Sprache] macht überhaupt möglich, dass wir das, was uns beim Betrachten von Kunst immer wieder berührt, überhaupt mit anderen teilen können.“

Raumansicht: INSIDE im Nails Projectroom (2020)

Im Juli 2020 eröffnet im Nails Projectroom in Düsseldorf die zweite Ausstellung der Initiative INTER–. Mit dem Titel INSIDE widmet sie sich der Schnittstelle von Bildender Kunst, Sprache und Literatur. Ausgangspunkt ist der Raum, der durch einen Vorhang von der Außenwelt abgeschirmt wird. Was im ersten Moment hermetisch anmutet, wird im Inneren Thema intermedialer Auseinandersetzung. Dabei spielt Sprache in Form von Videoarbeiten, Musik, Stickereien oder einer Lesung eine entscheidende Rolle: Sie vermittelt zwischen Innen und Außen. Die Grenzen zwischen Raum, Bild und Sprache verlaufen dabei fließend, sodass gewohnte Sprachsysteme, Transformations- und Übersetzungsprozesse befragt werden. 

Spätestens seit dem iconic turn scheint das Bild über das Wort zu triumphieren. Welche Rolle spielt unterdessen das Wort für Künstler*innen? Was passiert, wenn Sprache selbst zum Material für künstlerische Arbeiten wird? Wo verläuft die Grenze zwischen Sprache als Kommunikation und Sprache als bildnerisches Mittel? Und inwiefern lässt sich Kunst als Universalsprache verstehen?

Die Rezeption von Kunst verdeutlicht immer wieder die Subjektivität menschlicher Wahrnehmung. Vergleichbar mit der Formulierung von Gedanken lässt sich auch die künstlerische Arbeit als Transformationsprozess von Innen nach Außen verstehen. Insbesondere eine künstlerische Praxis, die Sprache und Wort zu ihrem Material macht, stellt sich den Herausforderungen einer Übersetzung innerer Sprachfragmente in Bilder oder Bildlichkeit in Worte, die unweigerlich das Entstehen von Leerstellen nach sich zieht. Gleichzeitig kommunizieren Kunstwerke mit den Betrachtenden, wobei durch die Imagination und Erinnerung entstandene Lücken gefüllt werden; das geschriebene oder gesprochene Wort erlangt mittels der Vorstellungskraft der Rezipierenden eine zusätzliche Bildebene. Die individuelle Rezeption unterwandert demnach das rhetorische Festsetzen von (Be)deutungen und wirft die Frage auf, inwiefern das Vorgeben einer kunstwissenschaftlichen Lesart obsolet wird.

In einem offenen, dualistischen Verhältnis zur Ausstellung OUTSIDE (bis 12. Juli, Waldhausener Straße 2–6, 41061 Mönchengladbach) umreißt INSIDE Fragen nach individueller Wahrnehmung und Deutungshoheit.


Ensemble:

Oliver Arendt | Silke Berg | Svetlana Chernyshova | Manuel Cornelius | Anne Diestelkamp | Lillyan Francis | Friederike Haug | Ae Ran Kim | Tammo Lünemann | LYCS Kollektiv (Rike Dröscher I Sabrina Podemski) in collaboration with DOBSTROH | Paulina Seyfried | Julian Westermann

In Kollaboration mit nextmuseum.io und Salat Magazin.

Ausstellungslaufzeit

4 – 26. Juli 2020

Adresse:

Nails Projectroom, Birkenstraße 61, 40233 Düsseldorf 


Ermöglicht durch das Ministerium für Kultur und Wirtschaft des Landes NRW (Regionale Kulturpolitik Niederrhein) und das Kulturamt Düsseldorf. 

INSIDE ist Teil des Rheinischen Kultursommers 2020.